15.04.2011 | Badische Zeitung "Dem Nachwuchs eine Chance – mit Disziplin und Ehrlichkeit"
Ohne Sponsoring ginge gar nichts: Das in Emmendingen beheimatete Team Rothaus will in der U23-Rad-Bundesliga wieder von sich reden machen.
EMMENDINGEN. Im Grunde, sagt Holger Petermann, gehe es dem Radsport wie der Politik. Nach all den Dopingfällen, den damit zusammenhängenden Lügen der überführten Fahrer, den Streitigkeiten innerhalb und zwischen den Verbände, kurzum, dem verheerenden Bild, das der Profi-Radsport der Öffentlichkeit biete, diagnostiziert Petermann eine hohe Verdrossenheit beim Publikum. "Dass sich viele einstige Fans von Radsport abgewendet haben, dafür hab’ ich ein Stück weit Verständnis", sagt der 42-jährige Emmendinger, der seit dem Jahr 2000 die Geschicke des Team Rothaus leitet. Die Fahrer in den gelb-schwarz Trikots der Bierbrauer aus Grafenhausen bilden eine Renngemeinschaft, die in der U-23-Bundesliga an den Start geht.
Ein Fundament legen für den Radsport-Nachwuchs
Petermann, der mit seinem Team nunmehr in die elfte Saison geht, sieht sich als eine Art Baumeister. "Wir versuchen das Fundament für die jungen Radsportler zu legen", sagt Petermann, damit diese im besten Fall darauf eine Karriere aufbauen können. Ganz nach oben, zur Tour de France oder zum Giro d’Italia, hat es zwar noch keiner von seinen Schützlingen gebracht, gleichwohl ist man im Team Rothaus stolz auf den einen oder anderen Erfolg oder Titel. René Weissinger beispielsweise gewann 2001 die deutsche Bergmeisterschaft, David Rösch war 2008 U-23-Bergmeister und Jens Reuker sicherte sich 2003 den Titel des Deutschen Meisters im Crossfahren – allesamt im Rothaus-Dress. 2002 trat die Equipe als sogenannte GS III-Mannschaft sogar bei den Profis an – ein Experiment, das nach einer Saison aber wieder ad acta gelegt wurde. Die Kosten waren zu hoch.
Besonders stolz ist man im Team Rothaus darauf, dass in all den Jahren keine negativen Schlagzeilen geschrieben wurden. "Wir hatten nie einen Dopingfall", so Petermann. Gleichwohl weiß er, dass das nicht so bleiben muss: "Ich kann in die Fahrer nicht reingucken. Es gibt Einzelverrückte, die sind nicht belehrbar." In Gesprächen versucht er seine Fahrer deshalb für das Thema zu sensibilisieren, sie über mögliche Folgen aufzuklären. Sollte einer beim Dopen erwischt werden, ist für ihn Feierabend im Team Rothaus. Eine Strafe im fünfstelligen Bereich ist zudem fällig – die Fahrer oder deren Eltern haben einen entsprechenden Passus im Vertrag zu unterschreiben. Unangemeldete Kontrollen behält sich Petermann vor.
Gäbe einen solchen Fall, würde Rothaus die Zusammenarbeit "grundsätzlich in Frage stellen", wie Gesamtverkaufsleiter Christoph Ebers sagt. Bei allem Engagement wird die Szene deshalb in Grafenhausen kritisch beobachtet. Und dass man ernst zu machen pflegt, hat Rothaus schon bewiesen. Einst taten sich die Bierbrauer auch als Geldgeber der Regio-Tour hervor, jenem Etappenrennen, das einst Profis vom Schlag eines Lance Armstrong, Jan Ullrich oder Richard Virenque ins Badische und ins Elsaß lockte. Nachdem viele im Peloton aber ihre Finger nicht von den verbotenen Schnellmachern lassen konnten, zog Rothaus die Notbremse. Kein Geld mehr für die Profis, unterstützt werden nur noch Amateure und der Nachwuchs. Entsprechend ist jetzt auch die Regio-Tour ausgerichtet.
Petermann setzt auf Disziplin und Ehrlichkeit. Wie in jedem Beruf, so sagt er, seien dies die wichtigsten Eigenschaften um Erfolg zu haben. Seine jungen Fahrer will er gleichwohl ohne Druck aufbauen. Fehler sind erlaubt, mitunter sogar erwünscht – im sportlichen Bereich versteht sich. Denn nur wer Fehler mache und sich diesen bewusst werde, daraus lerne, erarbeite sich das Rüstzeug um erfolgreich im Fahrerfeld zu bestehen. Mit seiner Mannschaft hofft er auf einen guten Platz in den Bundesligarennen. Platz zwölf oder 13 in der Endabrechnung hielte Petermann für normal, eine Platzierung um Rang sechs herum würde ihm ein "tolles Jahr" bescheren.
Petermann ist froh darüber, dass das Team Rothaus bis zum heutigen Tag überlebt hat und quicklebendig über die Straßen rollt. Viel Herzblut, für den Sport und den Nachwuchs gleichermaßen, begleite die Arbeit. Und sein Dank gilt auch dem Sponsor: "Ohne deren Unterstützung gäbe es uns und den Radsport in der Region schon längst nicht mehr."
Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung. Verfasst von Michael Dörfler.










