"Eine Radsportplattform für alle"
BZ-INTERVIEW mit Holger Petermann, dem Gründer des Team Rothaus

RADSPORT. Bei diesem Mann dreht sich alles rund um den Radsport – Holger Petermann aus Emmendingen. Er gründete Ende 1999 das Team Rothaus. Als ehemaliger Aktiver vermisste er früher selbst die Gegebenheiten, um sich als Sportler zu verwirklich. Er nahm dies zum Anlass die Bedingungen mit Unterstützung eines kompetenten Sponsors zu verbessern, und er hatte Erfolg damit. Unser Mitarbeiter Bastian Oliver König hat sich mit ihm unterhalten – über die vergangenen Jahre, über eine missglückte Saison 2009 und über das, was noch kommt.

BZ: Das Jubiläumsjahr verlief nicht wie erwartet. Was waren die Gründe, dass das Team nach all den erfolgreichen Jahren zuvor ins Straucheln kam?

Petermann: Wir haben in der Vergangenheit immer mindestens einen Fahrer ins Profilager verabschieden dürfen. Im Jahr 2008 waren es gleich vier. Das ist als Indikator des Erfolgs schön, dennoch begannen wir mit einem sehr jungen Kader wieder fast ganz unten auf der Erfolgsleiter. Das ist der Gang der Dinge, aber einige dieser Fahrer haben den Sport nicht gelebt und deshalb auch nicht den erforderlichen Biss gezeigt, den es gebraucht hätte, um in der Bundesliga und in den starken Rennen der Region zu bestehen.

BZ: Welche Konsequenzen ziehen Sie als Teammanager aus diesen Erfahrungen?

Petermann: Prinzipiell muss man sagen, war das Jahr nicht so schlecht. Julian Kern hat eine herausragende Saison bestritten, die ihm einen Profivertrag gesichert hat. Zudem haben wir viel daraus gelernt. Wir werden einen gewissen Neuanfang starten, mit den wenigen zielstrebigen Fahrern und sechs jungen Fahrern, die direkt aus der Juniorenklasse aufsteigen. Wir wollen diese Fahrer aus der Region fördern und eine schlagkräftige Truppe formen. Momentan umfasst das Team zehn Fahrer, eventuell kommen im Frühjahr noch zwei weitere dazu.

BZ: Welche Fahrer blieben dem Team treu?

Petermann: Andreas Schreier aus Urloffen war in diesem Jahr durch seine Ausbildung eingeschränkt. Er steigt jetzt wieder voll ein und wird als erfahrener Fahrer eine wertvolle Stütze sein. Felix Koch aus Wittnau ist sehr diszipliniert, er erhält seine Chance, weil er noch viel Entwicklungspotenzial hat und gut ins Gefüge passt. Seine Ergebnisse auf dem Papier spiegelten zuletzt nicht immer das tatsächliche Leistungsvermögen wider. Der ganze Rest der neuen Fahrer wird angeführt von den ehemaligen erfolgreichen U19 Fahrern David Bartl aus Buggingen und dem Reuter David Ansari. Die sportliche Leitung erhält durch Armin Engist aus Merdingen Unterstützung.

BZ: Die Teamgründung wurde für die Saison 2000 vollzogen. Was waren damals die Gründe, sich für eine solche Sache einzusetzen?

Petermann: Ich sah damals für einen jungen Sportler keine Möglichkeit, sich zu verwirklichen. Es fehlte ein Team, welches nach den Nachwuchsklassen eine Weiterentwicklung in der Region garantierte. So etwas wäre nur durch einen Wechsel des Vereins möglich gewesen, was für viele nicht in Frage gekommen wäre. Die Folge war, dass Talente auf der Strecke blieben. Stolz bin ich auf die generelle Entwicklung. Damals war das Ziel alle Sportler zu fördern, das heißt auch die weiblichen Klassen und der Mountainbikebereich. Wir mussten aber schnell erkennen, dass dies den Rahmen sprengte. Hieraus entstanden neue Bewegungen, die heute noch als die erfolgreichen Teams Rothaus Cube und Rothaus Vita Classica bestehen. Damit war das der Beginn einer Radsportplattform für alle hier in der Region. Die Staatsbrauerei Rothaus ist uns seither treu, und wir hoffen, dass es auch über das aktuelle Vertragsverhältnis, welches bis Ende des Jahres 2011 ausgelegt ist, weitergeht.

BZ: Was waren für Sie die schönsten Momente in dieser langen Zeit als Teammanager?

Petermann: Alle Erfolge sind oder waren schön. Wir haben unter anderem vier deutsche Meistertitel, sechs Landesmeistertitel und vier LBS-Cup-Gesamtsiege errungen. Aber auch die zweiten und dritten Plätze sind schön, weil unsere Fahrer auf dem Podium präsent sind. Einer der schönsten Momente war sicherlich der Gewinn der deutschen Bergmeisterschaft durch Rene Weisinger. Er hat sich damals gegen alle namhaften Fahrer durchgesetzt und er ist noch heute erfolgreich im Peleton unterwegs. Es ist schön mit allen ehemaligen Fahrern weiterhin in menschlichem Kontakt zu stehen, und es ist schön mit dem aktuellen Kader aus den verschiedensten Vereinen zusammen zu arbeiten.

BZ: Teammanager zu sein ist in den schweren Zeiten des Radsports nicht immer angenehm. Aussagen von manchen ihrer Kollegen, nichts von Dopingvergehen im eigenen Team mitzubekommen, stoßen beim Publikum auf wenig Verständnis. Wie gehen Sie mit dieser Haltung um, vor allem welche Mechanismen haben Sie installiert, um dem Problem entgegenzuwirken?

Petermann: Grundsätzlich muss differenziert werden. Der Amateurbereich unterliegt nicht dem Erfolgsdruck des Profibereiches. Unsere Nachwuchsfahrer sind Schüler und Studenten. Zu meinen Aufgaben als Teammanager im Amateurbereich gehört ausschließlich, sich auf die Nachwuchsarbeit zu konzentrieren. Wir betreiben im Team professionelle Aufklärung und Prävention. Als eines der ersten Nachwuchsteams haben wir seit 2008 ein Antidoping-Programm installiert. Dies wird von einem unabhängigen Arzt und Institut selbständig und in Absprache mit mir durchgeführt. Dazu gehören auch Tests außerhalb der zeitlichen Vorgaben. Ebenfalls gehört dazu, dass bei Krankheiten nur bestimmte Medikamente verabreicht werden dürfen. Jeder Sportler muss dies bei seinem Hausarzt angeben und uns melden. Im Übrigen gibt es offizielle Medikamentenlisten von der NADA. Aufgrund der Doping-Vorfälle in der Vergangenheit werden durch den BDR seit 2007 vermehrt Dopingtest im Amateurbereich und bei kleineren Rennen durchgeführt. Diese durchlaufen meine Fahrer gleichfalls.


Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung. Verfasst von Bastian König.